Die Nacht

Du siehst verdammt schön aus, wenn du schläfst.

Bitte schau mich nicht so an, mit deinen geschlossenen Augen, verführ mich nicht dazu, Dir einen Kuss auf die Lippen zu hauchen.

Wie fühlt es sich wohl an?

Aber was, wenn du aufwachst? Mich verständnislos anschaust, mit deinen wundervollen Augen. Mich von dir fortstößt, mich mit Blicken durchbohrst. Wie würdest du wohl reagieren? Ich sollte es nicht wagen.

Also liege ich weiter hier, einhunderfünfzig Zentimeter von dir entfernt. Genieße deinen Anblick, lausche deinem ruhigen Atem. Streichle dich mit Blicken, und stelle fest, dass ich schon wieder zwei Schritte zurück zu dir getan habe.

Kaum habe ich es geschafft, mich innerlich von dir zu distanzieren, einen Teil der Gefühle solange zu ignorieren, bis sie verschwunden zu sein scheinen; kaum habe ich das geschafft, dann werde ich auch schon wieder zu dir zurückgerissen. Unbarmherzig. Wie eine Büroklammer zum Magneten.

Doch du willst doch gar kein Magnet sein. Spürst doch selbst, dass da etwas zwischen uns ist. Mehr als die Freundschaft, von der wir beide reden. An uns vorbei reden.

Du bist gefährlich, du bist einfach viel zu viel für mich, es ist mehr als nur ein Herzschlag, der mich bei dir hält.

"Ich liebe Dich", flüstere ich.

Wünsche mir, dass du es hörst, und verfluche mich, dass ich es ausgesprochen habe. Was, wenn du es gehört hast? 

Auf einmal, ein Geräusch, das mich aus meinen Gedanken reißt.

Dein Wecker.

Als du die Augen aufschlägst, liege ich schon wieder mit geschlossenen Augen neben dir, soweit entfernt, wie es gerade geht, um nicht von der Matratze zu fallen. Ich frage mich, ob du mich ansiehst. Was du dabei denkst.

Ich schlage langsam die Augen auf, du schaust mich verschlafen an, versuchst, dich dafür zu entschuldigen, dass du mich geweckt hast. Dann stehst du auf, und gehst aus dem Zimmer, mit den Worten "Na dann, schlaf noch gut". Ich höre, wie du ins Bad gehst, dich frisch machst, und das Haus verlässt.

Dann setze ich mich auf, nehme dein Kissen und kuschle mich daran.

Alles, was mir von dir bleibt, ist ein Hauch deines Aftershaves, der Duft deines Haargels, und eine Prise deines ganz speziellen Geruchs. So riechst nur du. 

"Ich liebe dich"

Diesmal sag ich es ganz laut, wie wenn du lauschend vor der Tür stehen würdest. Stelle mir vor, wie du in den Raum kommst, dich zu mir legst und mir einen zärtlichen Kuss auf die Stirn hauchst.

Doch du kommst nicht.

Dein Duft verfliegt. 

"Ich liebe dich" säuselt das Echo in meinem Kopf. Und das Tal, in dem es entstand, zerbröckelt.

7.5.07 16:35

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